Tierische Milch ist schlechter als ihr Ruf: Sie macht weder „müde Männer munter“ noch schützt sie vor Osteoporose oder hat durchweg gute Effekte auf das Immunsystem. Viele widersprüchliche Studien streiten sich um die Effekte von Milch und Milchprodukten auf den Menschen.

Während Stillen und Muttermilch unbestritten gesund sind, zeigen mehrere große Beobachtungsstudien und Meta-Analysen, dass Kuhmilch keinen Schutz vor Osteoporose oder Frakturen bietet – teilweise ist sie sogar mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert.1-3

Für eine ausreichende Calciumversorgung ist keine Milch notwendig. Rund 400 ml calciumreiches Mineralwasser, 240 g weiße Bohnen, 150 g Grünkohl, Rucola oder Amaranth, 96 g Tofu, 100 g Lachs, 96 g Mandeln, 66 g Sardinen, 57 g Tahin, 31 g Sesam, 22 g Wakame-Algen oder 16 g Mohn enthalten ebenso viel Calcium wie ein Glas Kuhmilch (200 ml).

Die größte Problematik beim Verzehr von tierischer Milch und deren Milchprodukte betrifft jedoch unerwünschte immunologische Effekte sowie die Bildung von Stoffwechselschlacken, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin als „Schleim“ bezeichnet werden. Verantwortlich sind unter anderem die Milchbestandteile β-Lactoglobulin, D-Galactose, αS1-/αS2-Caseine, sowie bioaktive Peptide/Casomorphine und bovine IgG, IgA und IgM.

Die bovinen Fremdimmunglobuline und das β-Lactoglobulin sind in menschlicher Muttermilch nicht vorhanden. Sie können das Immunsystem reizen, allergisierend wirken und stehen im Verdacht, immunologische Fehlreaktionen zu fördern.4-7

Mann mit Milch und Hemd

Bei der Verdauung der Milchproteine entstehen aus β-Casein bioaktive Opioidpeptide, insbesondere β-Casomorphin-7 (BCM-7), das μ-Opioidrezeptoren aktiviert.

Neben seiner opioidartigen Wirkung beeinflusst BCM-7 über diese Rezeptoren indirekt auch Prolaktin, Motilin, Oxytocin sowie neuropsychologische Achsen wie Dopamin und Serotonin.

Psychisch erzeugt dies ein Belohnungs- und Genussgefühl und erklärt den beruhigenden, tröstenden Effekt 8-10 – und damit das ausgeprägte Milch- oder Käseverlangen („Craving“) vieler Menschen.

Jedoch diskutieren mehrere Studien über die Zusammenhänge zwischen Casomorphin-Exposition und SIDS (plötzlicher Kindstod) 11 sowie Autismus-Spektrum-Störungen.12-13

Der Milchzucker Lactose ist ein Zweifachzucker (Disaccharid). Das Enzym Lactase spaltet im Dünndarm die Lactose in zwei miteinander verbundene Einfachzuckern (Monosaccharide): D-Galactose und D-Glucose auf. Da die Aktivität des Enzyms Lactase bei etwa 75 % der Weltbevölkerung nach dem 2. bis 5. Lebensjahr, also nach der physiologischen Stillzeit, stark abnimmt, kann Lactose nicht bzw. nicht mehr vollständig verdaut werden – mit der Folge von Blähungen, Durchfall, Unterleibsschmerzen, Unwohlsein, Müdigkeit und Kopfschmerzen nach Milch-, bzw. Milchprodukteverzehr. Einige Autoren diskutieren zudem die Problematik der D-Galactose, die in Tiermodellen oxidativen Stress, Alterungsprozesse und chronische Entzündungen verstärkt.14-17

Eine schwedische Langzeitstudie weist auf erhöhte Brustkrebsraten bei Milchkonsum hin 18, weitere Studien auf erhöhte Prostatakrebsraten. 19-21

Milchfett hat eine niedrige Konzentration an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, jedoch einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren (ca. 70 %), wie sie z. B. in Kokos- und Palmkernfett vorkommen. Deshalb wurde und wird Milchfett ernährungsphysiologisch negativ bewertet. 22

Um den Nachteilen der Milch zu entgehen, befindet sich genetisch modifizierte (transgene) Milch mit humanem Lysozym, Lactoferrin und eliminiertem β-Lactoglobulin in Ländern wie den USA, China, Indien oder Neuseeland in der Phase der Zulassungsprüfungen, der landwirtschaftlichen Hochskalierung oder der Nutzung als medizinischer Bioreaktor. Geklonte „Superkühe“ für hohe Milchmengen werden von führenden Agrarnationen (darunter die USA, China, Argentinien und Brasilien) fest in der konventionellen Nahrungskette integriert. 23-30

Wir sind nicht dafür geschaffen, lebenslang Milch zu uns zu nehmen. Muttermilch ist für Säuglinge und Jungtiere wichtig, um durch zahlreiche immunologisch wirksame Komponenten die Reifung und Regulation das jeweilig artspezifische Immunsystem auszubilden und in differenzierter Zusammensetzung genau die Eiweiße und Nährstoffe zuzuführen, die den Bedürfnissen der jeweiligen Spezies entsprechen.

Der Mensch gehört jedoch einer anderen Spezies an als Rind, Schaf oder Ziege. Nimmt er deren Milch zu sich, nimmt er daher auch artfremde, für eine andere Spezies bestimmte Proteine und weitere bioaktive Bestandteile auf. Diese körperfremden Strukturen interagieren mit dem menschlichen Immun- und Stoffwechselsystem und können so immunologisch irritierende oder schädigende Wirkungen auslösen. Eine artspezifisch differenzierte immunologische Unterscheidungs- und Regulationsfähigkeit ist jedoch lebenslänglich von grundlegender Bedeutung: Das jeweilige Immunsystem muss tolerierbare körpereigene und kompatible Strukturen, wie z.B. ein gesundes Darmmikrobiom 31, zuverlässig von potenziell schädlichen körperfremden Strukturen unterscheiden können. Diese Fähigkeit entscheidet wesentlich darüber, was immunologisch toleriert und was als potenzielle Gefahr erkannt und bekämpft werden soll. Ist diese Unterscheidungs- und Regulationsfähigkeit gestört, entstehen immunologische Fehlreaktionen: Dazu gehören überschießende Reaktionen auf eigentlich harmlose Fremdstrukturen wie Pollen oder Lebensmittelbestandteile, fehlgeleitete Reaktionen gegen körpereigene Strukturen ebenso wie eine unzureichende oder ineffektive Abwehr von Krankheitserregern und anderen potenziell schädlichen körperfremden Strukturen.

Sobald wir Zähne haben und als Kinder von der Muttermilch entwöhnt sind, ist der Organismus zudem physiologisch auf feste Nahrung und nicht mehr auf die Ernährung durch Milch ausgerichtet. Dieser natürliche Entwicklungsschritt gilt für Säugetiere ebenso wie für den Menschen.

Entscheidend ist – wie so oft – die Menge und Häufigkeit des Konsums tierischer Milch: Die Dosis macht das Gift. Ein einziges Glas Milch, ein Joghurt oder ein Käsebrot wird Sie zwar nicht unmittelbar schwer schädigen. Sinnvoller als tierische Milch und Milchprodukte sind jedoch, vor allem für bereits Erkrankte, pflanzliche Hafer-, Soja-, Mandel-, Reis-, Cashew- oder Kokosprodukte, die als „Pflanzenmilch“, Joghurt, Kefir, Skyr, Quark mit nützlichen Bakterien für die Darmflora zur Verfügung stehen. Diese enthalten keine tierischen Immunglobuline und weisen eine grundsätzlich andere Protein- und Wirkstoffzusammensetzung als tierische Milch auf.

Mit jeder Mahlzeit treffen wir eine Entscheidung für oder gegen unsere Gesundheit. Denn jede Nahrung beeinflusst unmittelbar die biologischen Prozesse unseres Körpers – sie kann Gesundheit fördern und Heilungsprozesse unterstützen oder Entzündungen und chronische Erkrankungen begünstigen. „Lass die Nahrung deine Medizin sein…“ sagte Hippokrates bereits 400 Jahre vor Christus – und das gilt bis heute.
Die Erfahrung zeigt, dass sich die Effekte artfremder, also tierischer Milch meist erst nach einiger Zeit zeigen – und das Auslassen dieser Lebensmittel ebenfalls. Rechnen Sie also mit einem deutlichen gesundheitlichen Unterschied erst innerhalb von Monaten.

Literaturquellen:

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